Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Altenstadt

Erstellt von Fritz Müller, Rektor a.D. zum 75-jährigen Jubiläum
Fortgesetzt und ergänzt zum 100-jährigen Jubiläum von Björn Müller
Der erste Nachweis in den Gemeindeakten über das Bestehen einer Feuerwehr in Altenstadt, damals noch einer Pflichtfeuerwehr, stammt aus dem Jahr 1829. Der damalige Bürgermeister Brack fragte beim großherzoglichen hessischen Kreisrat des Kreises Friedberg an, ob er als Feuerläufer auch junge Leute ab 20 Jahren einsetzen kann. Üblicherweise wurde damals diese Aufgabe von Männern übernommen, die um die 60 Jahre alt waren. Die Anregungen zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Altenstadt gingen vom Großherzoglichen Kreisamt in Büdingen aus. Die fachmännischen Empfehlungen gab Kreisfeuerwehrinspektor Fendt.
So kam es zur Gründungsversammlung, die mit dem folgenden, wenige Zeilen umfassenden Protokoll dokumentiert wurde.
„Geschehen: Altenstadt, den 10. Februar 1908
Betreff: Gründung einer freiwilligen Feuerwehr hierselbst.
Den ersten Anregungen zur Folge unterzeichneten 28 Mann. Es wurde am 3. Februar d. Js. eine diesbezügliche Versammlung anberaumt, die mit dem Resultat von 53 Mann endete. In der heute sich hieran anschließenden Versammlung meldeten sich noch weitere 9 Mitglieder, so daß die Freiwillige Feuerwehr definitiv mit 62 aktiven Mitgliedern mit einem monatlichen Beitrag von 10 Pfg. pro Mitglied begründet wurde.
Die endgültige Gründung der Freiwilligen Feuerwehr ist somit vollzogen und die Versammlung hiermit beendigt.“
Der von den 62 Altenstädter Bürgern gewählte erste Vorstand setzte sich folgendermaßen zusammen:
Kommandant: Friedrich Kraus, Sattlermeister
Stellvertretender Kommandant: Heinrich Brack, Landwirt
Schriftführer: Karl Wagner, Uhrmacher
Rechner: Heinrich Wilhelm Eberhardt, Friseur
Zeugwart: Julius Dillemuth, Schneidermeister
Beisitzer: Karl Kreß, Julius Müller und Ferdinand Finkernagel
Spritzenmeister: Karl Theiß
Hornist: Georg Poth
Tambour: Friedrich Steuernagel
Erheber: Friedrich Eberhardt
Zum Kommandanten der Steigermannschaften wurde Heinrich König, als dessen Stellvertreter Heinrich Enders gewählt. Kommandant der 1. Spritze wurde Heinrich Lips, Georg Klarmann wurde dessen Stellvertreter. Die Wahl zum Kommandanten der kleinen Spritze fiel auf Karl Peppler, dieser wurde von Helfrich Wilhelm Eckel vertreten. Heinrich Kötter wurde Kommandant der Schlauchwagen- und Hydrantenmannschaft. Sein Stellvertreter wurde Adam Hess. Zum Führer der Ordnungsmannschaft wurde Karl Wieder gewählt. Die Gründungsversammlung beschloss ferner einen Aufruf an die Altenstädter Bevölkerung, in dem diese aufgefordert wird, der Feuerwehr als passives Mitglied beizutreten und einen Monatsbeitrag von 20 Pfennig zu entrichten. Dieser Aufruf scheint Erfolg gehabt zu haben, denn bereits im Juli 1908 bestimmt der Vorstand den Apotheker Sartorius und den Lehrer Stork als Vertreter der passiven Mitglieder.
Im Jahre 1911 tritt Kommandant Krauß von seinem Amt zurück und sein Nachfolger wird der seitherige zweite Mann: Heinrich Brack.
Erwähnenswert ist noch die Tatsache, dass der Vorstand über jede Neuaufnahme einen Beschluss fasste, und eine Kuriosität stellt in meinen Augen der Beschluss vom 6. Februar 1911 dar, er lautet: „Mitglieder, welche bei der Generalversammlung ohne Entschuldigung fehlen, werden mit 50 Pfennig bestraft“. Im November 1911 setzt der Vorstand eine Bestrafung in gleicher Höhe für diejenigen fest, die den angesetzten Übungen fern bleiben. Das Protokoll enthält aber auch immer wieder Beschlüsse über den Ausschluss von Mitgliedern. Welche Gründe es für den Ausschluss gab, ist aus den Eintragungen nicht ersichtlich.
Während des ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 ruhte die Arbeit der Feuerwehr, erst im März 1919 wird über die fünf Kriegsjahre abgerechnet. Am 31.12.1918 betrug der Kassenbestand 19,63 Mark. Der seitherige Kommandant Hch. Brack wurde wieder gewählt. Sein Stellvertreter wurde Hch. Kötter II. Auch der seitherige Schriftführer, Karl Wagner, übernahm wieder sein Amt. Alles wurde neu geordnet und die regelmäßigen Übungen wurden wieder aufgenommen, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Bevor ich nun über die zwanziger Jahre berichte, ist es nötig darauf hinzuweisen, dass es neben der Freiwilligen Feuerwehr noch eine Pflichtfeuerwehr gab, die allerdings in die Freiwillige Feuerwehr eingegliedert war. So gehörten beispielsweise im Jahre 1910 41 Bürger im Alter von 20 bis 40 Jahren der Pflichtfeuerwehr an, die Freiwillige Feuerwehr hatte 68 Mitglieder; 1922 hatten Freiwillige und Pflichtfeuerwehr nahezu gleiche Stärke, es bestand ein Verhältnis von 70 zu 66. Im Jahre 1927 gehörten 83 Altenstädter zur Freiwilligen Feuerwehr; die zur Pflichtfeuerwehr herangezogenen 62 Bürger standen im 25. bis 35. Lebensjahr.
In den zwanziger Jahren gab es zwei Führungswechsel an der Spitze der Altenstädter Wehr. Hch. Karl Lips wird 1922 1. Kommandant. Das 1. Ehrenmitglied wurde Hch. Brack. 1926 übernahm Wilhelm Heutzenröder die Wehr.
Wenn man die Geschichte einer Organisation wie der Feuerwehr darstellen will, kommt es nicht so sehr darauf an, Geschehnisse aneinander zu reihen, sondern es ist wesentlich, die kleinen Ereignisse in großen Zusammenhängen zu sehen. An einem Beispiel soll das dargestellt werden: Am 13. August 1920 fand eine außerordentliche Generalversammlung statt, deren Verhandlungsgegenstand die Festsetzung von Strafen war. Unentschuldigtes Fehlen bei einer Übung wurde mit 3 Mark, im Wiederholungsfall mit 6 Mark und in einem weiteren Fall mit 10 Mark bestraft. „Bei sich wiederholenden Fällen erfolgte Ausschluss.“
Diese Beschlüsse zeigen zunächst einmal, dass – wie das allgemein nach Kriegen festzustellen ist – der Sinn für Ordnung verloren gegangen ist. Zum anderen spiegelt die Festsetzung von Strafen in dieser Höhe die wirtschaftliche Situation des Deutschen Reiches dar. Es handelte sich um eine Auswirkung der beginnenden Inflation, die 1923 ihren Höhepunkt erreichte. Zu Beginn des Jahres 1923 wurde der Jahresbeitrag für die Feuerwehr auf 50 Mark festgesetzt. Damit wurde jedoch die Geldentwertung in keiner Weise aufgefangen, denn im November wurde dann 1 Billion Mark auf 1 Rentenmark abgewertet. Die Vergütung für den Vereinsdiener, die 1923 auf 1000 Mark festgesetzt worden war, wurde im darauf folgenden Jahr wieder auf 15 Mark reduziert. Ob es in den zwanziger Jahren zu der Bildung eines Spielmannszuges gekommen ist, ist anhand der Unterlagen nicht exakt festzustellen. Eine außerordentliche Generalversammlung vom 10. November 1925 fasste einen diesbezüglichen Beschluss, ein weiterer Beschluss besagte, dass eine Haussammlung durchgeführt werden soll. Eine Sammlung unter den Versammlungsteilnehmern erbrachte 356 RM.
Am 17. Juli 1928 wurde das Jubiläum des 20-jährigen Bestehens in Verbindung mit dem Kreisfeuerwehrtag begangen. Es war das erste Feuerwehrfest in unserer Gemeinde. Das Jahr 1929 brachte die Weltwirtschaftskrise; und die folgenden dreißiger Jahre waren gekennzeichnet durch eine Massenarbeitslosigkeit, die 1932 zwischen 6 und 7 Millionen lag. Das die Not groß und Geld knapp war, zeigt ein Beschluss der Jahreshauptversammlung von 1932, wodurch der Jahresbeitrag von 2,40 RM auf 1,20 RM herabgesetzt wurde.
Das Jahr 1933 brachte die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten; für die Vereine und Organisationen war damit der Begriff der Gleichschaltung verbunden. Das bedeutet, dass eine nicht nationalsozialistische Vereinsführung durch Nationalsozialisten abgelöst wurde. Bei der Altenstädter Freiwilligen Feuerwehr tat sich jedoch nichts. Im November 1933 enthält das Protokoll lediglich den Vermerk, dass der Ortsgruppenleiter bei einer Vorstandssitzung anwesend war und dass der Vorstand beschloss, zur Anschaffung einer Sirene 300 RM beizusteuern. Aus dem Protokoll der Generalversammlung vom Oktober 1934 zitiere ich „die gesamte Wehr sprach dem alten Kommandanten das volle Vertrauen aus“. Zur so genannten „Gleichschaltung“ kam es erst 1938 anlässlich der Generalversammlung am 25. Februar. Es nahmen daran teil Regierungsrat Kessel, Kreisfeuerwehrführer Klein, Abschnittsführer Preußer und Bürgermeister Wagner. Auch hier lasse ich wieder das Protokoll sprechen: „Nach einer kurzen Ansprache nahm Regierungsrat Kessel das Wort. In echten deutschen Worten schildert er den hohen Wert, der freiwilligen Feuerwehren im neuen Deutschland. Aus besonderen Gründen, müsste ein neuer Wehrführer bestellt werden. Bäckermeister Heinrich Schmidt wurde von Regierungsrat Kessel zum 1. Wehrführer bestimmt. Kreisfeuerwehrführer Klein gab in kurzen Worten bekannt, welches zur Entlassung des alten Wehrführers Heutzenröder führte … . Mit einem Sieg Heil auf unseren Führer und Vaterland wurde die Versammlung geschlossen.“
Zu erwähnen ist noch, dass zur Verbesserung der Ausrüstung der Wehr 1936 eine erste Motorspritze angeschafft wurde. Diese musste jedoch sehr oft von Menschenkraft beziehungsweise in den Wirren des Krieges auch von Frauen gezogen werden.
Über 10 Jahre gibt es nun keine protokollarischen Aufzeichnungen mehr. Der Grund ist bekannt, die Feuerwehrmänner sind in ihrer großen Mehrheit Soldaten geworden. Obwohl 1945 der 2. Weltkrieg beendet war, dauerte es noch drei Jahre – bis 1948 – bis die Feuerwehr neu gegründet wurde. Zum ersten Kommandanten der Nachkriegszeit wurde August Steuernagel gewählt.
Ein interessanter Aspekt in den Anfangsjahren der Freiwilligen Feuerwehr ist, dass man sich immer wieder Gedanken machte, wie man die Bevölkerung über die Wichtigkeit einer Feuerwehr informieren könnte. Dies kann dadurch verdeutlicht werden, dass über viele Jahre in den Protokollen immer wieder Aufzeichnungen über Schauübungen im Rahmen von Feuerschutzwochen zu finden sind. Diese Übungen wurden zum Teil von Fackelumzügen, zusammen mit dem Spielmannszug eingeleitet. 1950 wurde eine zweite Motorspritze angeschafft. Außerdem wurde in der Borngasse – am Goldborn – ein neues Gerätehaus gebaut, dessen Einweihung am 9. Juli 1951 erfolgte. Es war nach dem „Kreis-Anzeiger“ eine eindrucksvolle Feier. „Der Sonntagmorgen begann mit einer großen Schauübung, bei der ein Brandangriff in vorbildlicher Weise vorgetragen wurde. … Namens des am Landesfeuertag teilnehmenden Kreisbrandinspektors Klein gratulierte Oberbrandmeister Lampmann, Büdingen, der besten Wehr des Kreise zu dem schönsten Gerätehaus.“
1952 wurde der Löschteich hergerichtet, der eine wichtige Wasserreserve im Ortskern darstellte. Der Altenstädter Wehr wurde 1954 die Ausrichtung des Kreisfeuerwehrfestes übertragen. Als die Vorbereitungen auf Hochtouren liefen, starb der 1. Kommandant, August Steuernagel. Trotzdem wurde das Fest, das vom 19. bis 21. Juni 1954 durchgeführt wurde, ein voller Erfolg. Im September 1958 wurde das Jubiläum des fünfzigjährigen Bestehens im Rahmen eines Familienabends begangen. Dabei wurden Heinrich Bär, Heinrich Wolf und Karl Reichhold mit der Silbernen Ehrennadel des Landesfeuerwehrverbandes für 40-jährige Dienstzeit ausgezeichnet. 21 noch lebende Gründer werden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Es handelt sich um folgende Männer:
Hch. Hermann, Helfrich Eckel, Richard Wolf, Wilh. Meides, Hch. Kötter, Hch. Rahn, Wilh. Reichhold, Karl Finkernagel I, Karl Corvinus, Wilh. Kötter, Otto Kraus, Hch. Kröll I, Karl Kröll, Hch. Jacob Lehr, Fritz Peppler, Jacob Kötter, Wilh. Finkernagel, Karl Berg, Wilh. Ruppert sen., Georg Lips.
Um den Brandschutz in der Gemeinde Altenstadt zu gewährleisten, kaufte die Gemeinde 1961 ein Löschfahrzeug vom Typ Magirus LF 16 TS. Nach achtjähriger Dienstzeit als Wehrführer kündigte Heinrich Harter Ende 1962 seinen Rücktritt an. Zu seinem Nachfolger wurde am 29. Januar 1963 Erwin Dächer gewählt, während Harter auf Vorschlag des Vorstandes zum Ehrenortsbrandmeister gewählt wurde. Während der Feuerschutzwoche 1963 wurde eine intensive Werbung von passiven Mitgliedern durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass 150 neue passive Mitglieder geworben werden konnten. Anlässlich des Feuerwehrballes 1965 wurden Karl Helfrich, Karl Reichhold und Heinrich Wolf mit dem goldenen Ehrenzeichen ausgezeichnet. Das silberne Ehrenzeichen erhielten Heinrich Harter, Kurt Gribowski und Philipp Schneider. Um die Sicherheit der Einsatzkräfte und die Schlagkräftigkeit der Wehr zu erhöhen, wurden schon 1966 erste Diskussionen über die Anschaffung von Pressluftatemgeräten geführt. Die ersten Geräte wurden in den darauf folgenden Jahren beschafft. Um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, kaufte die Gemeinde im Jahr 1967 ein Tanklöschfahrzeug TLF 16. Dieses Fahrzeug wurde in den siebziger Jahren unter anderem auch eingesetzt, um die Wasserversorgung in den verschiedenen Ortsteilen sicherzustellen. Zu diesem Zweck wurden zum Teil auch Behelfswasserleitungen in die Waldsiedlung und nach Oberau gelegt. Fast parallel dazu erwarb die Freiwillige Feuerwehr aus Vereinsmitteln 1966 einen VW-Bus, der als Mannschaftswagen diente. Außerdem rüstete man einen Ölschadensanhänger aus. Da dieser Bus ab 1972 nicht mehr verwendet werden konnte, wurde er durch einen von der Gemeinde beschafften Ford Transit ersetzt. Dieser wurde ab 1974 zum Ölschadensfahrzeug umfunktioniert. Um die dabei verlorenen Kapazitäten für den Transport von Einsatzkräften auszugleichen, wurde ein weiterer VW Bus gekauft. Um diesen Kauf zu tätigen, wurden von der Freiwilligen Feuerwehr 10.000,- DM aufgebracht. Erwähnenswert für den Beginn der siebziger Jahre ist die Bildung einer Jugendfeuerwehr am 7. Dezember 1970, die zunächst 18 Mann stark war. Mit deren Bildung wurde das Ziel verfolgt, den dringend notwendigen Nachwuchs sicherzustellen. Das ist ohne Zweifel ein löblicher Beginn, junge Menschen für uneigennützigen Dienst in einer gemeinnützigen Organisation zu mobilisieren.
In den Protokollen von 1970 wurde weiterhin der Gründung einer 10 Mann starken Feuerlöschgruppe in der Waldsiedlung erwähnt. Genauere Angaben zu Aufgaben und Organisation dieser Gruppe werden leider nicht gemacht. Nach der Gebietsreform wurde am 03. Oktober 1973 die erste gemeinsame Versammlung aller Altenstädter Ortsteilwehren, von Bürgermeister Rose geleitet, durchgeführt. Der Altenstädter Wehrführer, bis dahin nannte man ihn Ortsbrandmeister, Erwin Dächer wurde bei dieser Versammlung zum ersten Ortsbrandmeister der Gemeinde Altenstadt mit den sieben Ortsteilen gewählt. Sein Stellvertreter wurde Josef Lokai aus Oberau. Diese beiden steuerten, zusammen mit dem Wehrführerausschuss, in dem alle Altenstädter Feuerwehren gleiches Mitspracherecht hatten, über viele Jahre die Geschicke der Feuerwehren der Gemeinde. Ein weiteres wohl sehr einprägsames Ereignis im Jahr 1973 war für die Feuerwehrleute der Besuch des Jubiläums 100 Jahre Feuerwehr Bad Vilbel. Zusammen mit den anderen Feuerwehren aus dem Wetteraukreis präsentierte sich die Feuerwehr Altenstadt dem damaligen Bundespräsidenten Heinemann. Die siebziger Jahre sind noch in einer anderen Hinsicht von Bedeutung für die Entwicklung der Altenstädter Feuerwehr. Ende Oktober 1974 wurden sie mit den ersten Funkmeldeempfängern zur Alarmierung sowie mit Sprechfunkgeräten für die Fahrzeuge ausgestattet. Daraufhin absolvierten 16 Männer der Einsatzabteilung 1975 eine Funkunterweisung. Erst 1980 waren alle Fahrzeuge mit Funk ausgestattet. Der Bestand an Funkmeldeempfängern wuchs bis zum Jahr 1982 auf 25 Stück. Dies alles hatte wiederum zur Folge, dass die Bevölkerung ab dieser Zeit kaum noch durch Sirenengeheul beunruhigt wurde. Der Vorteil für die Männer der Einsatzabteilung lag darin, dass die störenden Neugierigen am Einsatzort fehlten. Im Jahr 1978 wurde wieder eine Werbeaktion für neue Mitglieder durchgeführt. Es wurden etwa 150 neue Mitglieder verzeichnet. Über die Jahre wurde eine Mitgliederzahl von etwa 600 erreicht und bis heute gehalten.
Der Bau der an Altenstadt vorbei führenden Bundesautobahn wirkte sich besonders stark auf die Altenstädter Freiwillige Feuerwehr aus. Nach einer Besichtigung durch zwei Vertreter des hessischen Innenministeriums wurde der Altenstädter Wehr der Autobahnabschnitt zwischen dem Gambacher Kreuz und der Anschlussstelle Langenselbold zugewiesen. Dadurch wurde der Aufgabenkreis der Altenstädter wesentlich erweitert und die Männer mussten sich mit der Handhabung neuer Geräte vertraut machen, wie zum Beispiel der Rettungsschere. Als am 20. Juni 1978 der Autobahnabschnitt freigegeben wurde, war die Feuerwehr zu Autobahneinsätzen noch unvollkommen ausgerüstet. Dies wurde jedoch im folgenden Jahr, durch den am 11. August 1979 in Dienst gestellten Rüstwagen verbessert. Bei diesem Ereignis stellten die Altenstädter Feuerwehrleute das neue Fahrzeug sowie auch ihr Können der Bevölkerung mit Schauübungen vor.
Diese Schauübungen wurden bis zum Ende der 80er Jahre regelmäßig an verschiedenen Orten im Gemeindegebiet durchgeführt. Zum Beispiel wurde am 11. November 1982 in der Waldsiedlung ein PKW-Brand mit mehreren Verletzten als Übungsszenario abgearbeitet. Der Tradition der Schauübungen aus der Anfangszeit der Wehr folgend wurden aber auch reine Brandeinsätze abgearbeitet. Um die Einsätze auf der Autobahn bestmöglich bewältigen zu können, waren für die Wehr noch verschiedene Vorbereitungen zu treffen sowie einige Anforderungen zu erfüllen. Zum Beispiel wurde Ende 1977 der Notruf 112 im Gemeindegebiet geschaltet und im Feuerwehrhaus ein Funktisch zur Koordination der Einsätze installiert. Ob die Anforderungen, im Bereich Ausrüstung und Alarmierbarkeit, erfüllt werden können, wurde von einem Polizeibeamten aus Büdingen am 17. April 1978 geprüft. Aus den Geldern, die man für die Autobahneinsätze erhielt, wurden in den folgenden Jahren immer wieder neue Ausrüstungsgegenstände wie Funkmeldeempfänger, Funkgeräte und Einsatzkleidung beschafft. Wie schon in den Gründungsjahren wurde auch in den 1970er- und 1980er-Jahren Wert auf eine regelmäßige Teilnahme der Einsatzkräfte an Übungen gelegt. Dies wird an den Protokollen der Jahreshauptversammlungen aus dieser Zeit deutlich. Die jährlichen Anwesendheiten wurden an diesem Termin vorgetragen. Weiterhin wurden Aktive, die nicht regelmäßig erschienen, mit einem Brief zu einem persönlichen Gespräch mit der Wehrführung eingeladen. In diesem Zusammenhang sollte aber auch erwähnt werden, dass das soziale Engagement der Einsatzkräfte nicht beim Dienst in der Feuerwehr endete. 1981 kam es zwischen der Feuerwehr aus Altenstadt und der Feuerwehr aus Lindheim zu einem Fussball-Freundschaftspiel, bei welchem Spenden für die Aktion “Lebensmittel für Polen“ gesammelt wurden.
Bei der Jahreshauptversammlung 1981 trat nach 17 Jahren als Wehrführer Erwin Dächer aus gesundheitlichen Gründen zurück. Norbert Müller wurde zum neuen Wehrführer gewählt. Er war bis 1991 im Amt und wurde dann von Andreas Schleicher abgelöst. 1982 wurden in Altenstadt funkgesteuerte Sirenen zur Alarmierung für die Einsätze installiert. Die Sirenen wurden von der Leitstelle in Friedberg, bei der auch die Notrufe eingehen, ausgelöst. Im Jahr 1984 wurde das alte Löschfahrzeug durch ein neues LF16 mit einer Besatzung von 9 Mann ersetzt. Es wurde am 11. Juni in Dienst gestellt. Dieses Fahrzeug bildete bis heute das Herzstück der Einsatzabteilung. Sein Einsatzwert wurde und wird heute noch kontinuierlich durch verschiedene Umbauten, wie Einbau eines Wassermonitors und Einbau von Geräten zur Hilfeleistung bei Unfällen, verbessert. Dieses Fahrzeug erhöhte die einsatztaktischen Möglichkeiten des, seit der Indienststellung am 14. Januar 1982 um einen Schlauchwagen aus einer Landesbeschaffung erweiterten Fuhrparks enorm. Der Schlauchwagen ersetzte den bis dahin verwendeten Eigenbauschlauchanhänger. Nachdem der Schlauchwagen bei einem Einbruch ins Feuerwehrhaus am 06. März 1985 entwendet und am Friedhof abgestellt worden war, wurde die Beschaffung einer Alarmanlage für das Feuerwehrhaus beschlossen. Als Randbemerkung sei gestattet, dass es schon als sehr erstaunlich angesehen werden muss, dass es Mitbürger gab, die in ein Feuerwehrhaus einbrechen und Fahrzeuge, welches zu ihrem Schutz vorhanden waren, entwendeten. Mit den neuen Aufgaben entstanden aber auch neue Situationen, die von den Feuerwehrleuten zu bewältigen waren. In archivierten Zeitungsberichten der 80er und 90er Jahre wird immer wieder von Einsätzen, vor allem Unfällen mit tödlich verunglückten Personen berichtet. Dies stellte für die Feuerwehrleute, die den Dienst am Nächsten als Hobby betrieben, eine teilweise hohe psychische Belastung dar. An dieser Stelle soll daher an einen der schlimmsten und prägendsten Einsätze der Feuerwehr, bei dem am 21. August 1987 drei Jugendliche bei einem Verkehrsunfall am Lindheimer Kreuz ums Leben kamen, erinnert werden. Als am 06. Juni 1950 das neuen Feuerwehrgerätehaus im Ortskern von Altenstadt eingeweiht worden war, erklärte der damalige Vertreter des Landkreises Büdingen Regierungsassistent Schäfer, die Gemeinde besitze nun ein wunderschönes Gerätehaus, dem im ganzen Kreis keines gleich komme. Doch schon 20 Jahre später, zu Beginn der siebziger Jahre, stellte sich heraus, dass das Haus nicht ausreichend war. Mit dieser Feststellung begannen auch die Bestrebungen um die Errichtung eines neuen Feuerwehrgerätehauses. Die Bemühungen um Realisierung des Vorhabens zogen sich über mehrere Jahre hin. In der Jahreshauptversammlung für 1973 teilte der erste Beigeordnete Hoff mit, dass mit dem Bau noch nicht begonnen werden kann, da weder Kreis noch Land die beantragten Zuschüsse bewilligt haben. 1975 war es dann endlich soweit, und am 30. und 31. August fand die Einweihung statt. Vorausgegangen war ein ökumenischer Gottesdienst. Der offizielle Festakt der Übergabe wurde von einer Großübung und einem Ball umrahmt.
Mehr als zwanzigjährige schlechte Erfahrung bei allen kommunalen Neubauten in Altenstadt (beide Schulen, Kindergarten, Bürgermeisterhaus) hätte die Konsequenz haben müssen, das Feuerwehrgerätehaus nicht mit einem Flachdach zu versehen. Die Erfahrungen wurden nicht berücksichtigt und der Neubau bekam ein Flachdach. Dies hatte zur Folge das es durchregnetet. Nun aber setzten sich die Feuerwehrleute mit großem Engagement dafür ein, dass das Flachdach durch ein Satteldach zu ersetzen. Um die Kosten im Rahmen zu halten, versprach man, durch Eigenleistung zur Kostensenkung beizutragen, und dieses Versprechen hielt man auch. 1982 wurden die Arbeiten von den Feuerwehrleuten durchgeführt. Ich (Fritz Müller) kam einmal am Wochenende am Gerätehaus vorbei und konnte mich nicht genug darüber wundern, welch große Anzahl an Feuerwehrleuten uneigennützig am Feuerwehrgerätehaus im Einsatz war. In einer stark materialistisch denkenden und handelnden Zeit verdient eine solche Handlung ein ganz besonderes Lob.
Im Jahr 1977 wurde die langjährige Tradition des jährlichen Feuerwehrballes der Freiwilligen Feuerwehr Altenstadt für kurze Zeit unterbrochen. Man beschloss, den Ball erst nach Errichtung der Altenstadthalle wieder durchzuführen. Ab 1980 wurden in der neuen Halle die Feuerwehrbälle durchgeführt. 1990 wurde auf Grund der immer geringer werdenden Teilnehmerzahlen der letzte Feuerwehrball in der Altenstadthalle durchgeführt. Um den Zusammenhalt der aktiven Feuerwehrleute zu stärken, wurden in den Jahrzehnten 1980 und 1990 immer wieder Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung durchgeführt. Beim ersten Ausflug 1981 wurde zum Beispiel die Flughafenfeuerwehr Frankfurt besichtigt. Im Juni 1983 wurde das 75-jährige Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Altenstadt mit einem großen Fest gefeiert. Neben einer Feierstunde und einem Festumzug wurden verschiedene andere Veranstaltungen am Festwochenende vom 09. bis zum 12. Juni durchgeführt. Mit den Planungen war schon 1981 begonnen worden. Die Eintragungen im Protokollbuch enden mit den Worten: „Zusammengefasst war es ein gelungenes Fest, zu dem neben intensiver Vorbereitung auch das schöne Wetter und die vielen Besucher wesentlich beigetragen haben.“ Diese Aussage wird wohl jeder, der an einer der Veranstaltungen teilgenommen hat, teilen können.
Neben diesem Fest beteiligte man sich 1983 erstmalig auch am bis zum heutigen Zeitpunkt weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannten „Altenstadtfest“. Alle zwei Jahre baut die Feuerwehr am Fest ihren Stand auf. Eine interessante Anekdote dazu ist, dass die Feuerwehr bei einem der früheren Feste den zweiten Platz beim von der Gemeinde ausgeschriebenen Umweltpreis für die umweltfreundliche Gestaltung des Standes belegte. Eine, die Transparenz des Vereins erhöhende, organisatorische Änderung der Feuerwehr wurde ab 1986 durchgeführt. Auf Empfehlung des Kreisfeuerwehrverbandes Wetterau, dieser ist die Dachorganisation der Feuerwehren im Wetteraukreis, wurden an der Jahreshauptversammlung getrennte Berichte des Wehrführers und des ersten Vorsitzenden abgegeben, um den Einsatzdienst der aktiven Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen vom Vereinsbetrieb mit Festen und Veranstaltungen zur Erwirtschaftung von Geldern zur Unterstützung des Einsatzdienstes zu trennen. Ab diesem Zeitpunkt gab es in der Altenstädter Freiwilligen Feuerwehr einen Wehrführer und einen 1. Vorsitzenden. Laut Satzung sind seitdem jedoch der Wehrführer und sein Stellvertreter automatisch Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender.
Ab 1988 gab es dann zur weiteren Verbesserung der Trennung zwischen Verein und Einsatzabteilung jeweils eine separate Jahreshauptversammlungen für die Einsatzabteilung und eine für den Feuerwehrverein mit seinen passiven Mitgliedern. Der technische Fortschritt im Bereich der Dokumentation des Vereinsgeschehens machte auch vor der Feuerwehr nicht halt. Deutlich wird dies an der Tatsache, dass 1989 die handschriftlichen Eintragungen der Protokolle ins Protokollbuch beendet wurden. Ab diesen Zeitpunkt wurden die Protokolle zunächst mit Schreibmaschine und bald darauf mit Computer erstellt. Die Darstellung und Erläuterung der in Balkendiagrammform aufbereiteten Einsatzstatistik mit einen Overhead- oder Tageslichtprojektor bei der Jahreshauptversammlung 1992 kann in diesem Zusammenhang ebenfalls als Neuerung erwähnt werden.
Am Vatertag wird seit 1991 bis heute ein Grillfest am Feuerwehrhaus durchgeführt. Dieses wird auch immer wieder genutzt, um besondere Ereignisse zu feiern. 1996 wurde die Feier zum 25-jährige Jubiläum der Jugendfeuerwehr mit dem Vatertag verbunden. 1999 nutzte man den Rahmen des Vatertaggrillens, um den Gerätewagen Gefahrgut in Dienst zu stellen. Das neue Fahrzeug ersetzte das Ölschadensfahrzeug auf Basis Ford Transit. Mit den Beschaffungsplanungen für dieses Fahrzeug war 1995 begonnen worden. Zur Beschaffung des Fahrzeuges steuerte der Verein einen Betrag von 17.000,- € bei. Diese Gelder waren durch Mitgliederbeiträge und Feste erwirtschaftet worden. Durch die Tanzgruppe „Firebirds“ wurde die Freiwillige Feuerwehr Altenstadt von 1993 bis 2003 auf verschiedenen Festen und Veranstaltungen repräsentiert. Im August 1998 wurde an zwei Tagen und im kleinen Rahmen am Feuerwehrgerätehaus das 90-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr gefeiert. Am Samstagabend trat die Altenstädter Band Joker auf. Am Sonntag fand ein kleiner Festakt statt, bei welchen sich die Freiwillige Feuerwehr mit einer Fahrzeugausstellung präsentierte. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 28. April 1998 wurde, um die Rechtssicherheit der Vereinsmitglieder und der Vereinsführung zu erhöhen, beschlossen, den Verein Freiwillige Feuerwehr Altenstadt in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Um diese Eintragung zu bekommen, musste die Satzung noch an verschiedenen Stellen geändert werden. Am 04. August 1998 wurde der Verein „Freiwillige Feuerwehr Altenstadt 1908 e.V.“ ins Vereinsregister eingetragen. Der Einsatzdienst und die Einsatzabteilung, welche der Gemeinde unterstellt ist, waren von dieser Änderung nicht betroffen. Bei der traditionell Anfang des Jahres durchgeführten Jahreshauptversammlung wurde 1998 ergänzend zu der Eintragung als e.V. eine Jugendordnung beschlossen, welche die Geschäfte der Jugendfeuerwehr regelt.
Da Kinder und Jugendliche, die sich für die Feuerwehr interessieren, erst ab einem Alter von 10 Jahren in die Jugendfeuerwehr eintreten können, wurde am 28. Oktober 1998 die Gründung einer „Bambini“-Gruppe beschlossen. In dieser können sich auch schon jüngere Kinder mit der Feuerwehr beschäftigen und werden spielerisch an die Jugendfeuerwehr herangeführt.
Bei der Freiwilligen Feuerwehr Altenstadt hatte man sich aber auch schon früher Gedanken gemacht, wie man Kinder und Jugendliche, für welche es bis heute immer mehr Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung gibt, für die Feuerwehr begeistern kann. In den 1980er und 1990er Jahren führte die Feuerwehr im Rahmen der Sommerferienspiele der Gemeinde immer wieder einen Tag bei der Feuerwehr durch, der neben der Nachwuchsgewinnung den Kindern auch als unvergessliche Erinnerung in Gedanken bleiben sollte. In diesem Zusammenhang muss auch das 30-jährige Bestehen der Jugendfeuerwehr erwähnt werden Es wurde im Mai 2000 mit einem Festwochenende, an dem man unter anderem einen Showtanzabend, einen Festkommers und ein „Spiel ohne Grenzen“ veranstaltet, gebührend gefeiert.
Neben der Jugendarbeit wurden im Vereinsleben und vor allem auch im Einsatzdienst immer wieder neue Ideen umgesetzt und neue Wege eingeschlagen. Vor allem unter den Wehrführern, die ab den 1990er Jahren an der Spitze der Wehr standen, fand eine starke Professionalisierung statt. Unter den Wehrführern Kottusch, der 1994 gewählt wurde, und Jäger, er wurde 1997 sein Nachfolger, wurde zum einen die Ausrüstung der Einsatzabteilung immer wieder optimiert, das Feuerwehrhaus neuen Gegebenheiten angepasst und zum anderen die Vereinsstruktur an die sinkenden Aktivenzahlen angepasst.
Am 26. Juni 1994 wurde das neu beschaffte Tanklöschfahrzeug TLF 24/50 sowie ein aus Vereinsmitteln beschafftes Mannschaftstransportfahrzeug in Dienst gestellt. Das alte Tanklöschfahrzeug versah ab da an Dienst in Ukmerge, Litauen und war eine wertvolle Ergänzung des dortigen Fuhrparks. Die ersten Einsätze für das neue Fahrzeug waren die Reifenlagerbrände in Friedberg 1994, wo man zur Unterstützung nachalarmiert wurde. Im Jahr 1995 wurde die Sicherheit der Einsatzkräfte bei Brandeinsätzen durch die Anschaffung von Nomexjacken, ein Material mit wesentlich höherer Brandresistenz als die bisher bei Einsatzkleidung verwendete Baumwolle, erhöht. Die Beschaffung wurde durch Spenden der Altenstädter Firmen und Gewerbebetriebe ermöglicht.
Im Jahr 1999 wurden von der Freiwilligen Feuerwehr 108 Einsätze bewältigt. Dies war die bisher höchste Anzahl an Einsätzen in einem Jahr. An der Aufteilung, 42 Feuereinsätze, 50 technische Hilfeleistungen (darunter 18 Verkehrsunfälle) und 16 Fehlalarme, kann man erkennen, dass die Feuerwehr schon lange nicht mehr nur zur Bekämpfung von Schadensfeuern benötigt wird sondern ein sehr großes Aufgabengebiet hat. Um neue Einnahmequellen für die immer teurer und spezieller werdende Ausrüstung zu erschließen, wird ab 1994 ein von der Volksbank Büdingen gestiftetes Geschirrmobil von der Feuerwehr vermietet. Ab 2005 wird auch ein kleines Festzelt vermietet.
Ab 2000 setzte Wehrführer Markus Pfeiffer den eingeschlagen Weg der Professionalisierung weiter fort. Er setzte bei seiner Arbeit als Wehrführer einen weiteren Schwerpunkt bei der Verbesserung des Ausbildungsniveaus der Einsatzkräfte. Der 1978 beschaffte Rüstwagen wurde im Jahr 2000 durch ein neues Fahrzeug ersetzt. Bei diesem handelt es sich um ein Gebrauchtfahrzeug, welches von den aktiven Feuerwehrleuten überholt und für die Verlastung der vorhandenen Gerätschaften umgebaut wurde. Auch hier wurden wie schon so häufig enorme Eigenleistungen, in Summe 500 Arbeitstunden erbracht. Unterstützt wurde man sehr tatkräftig durch die Altenstädter Firma Hensel Karosseriebau. Da der Umsatz, der Freiwilligen Feuerwehr Altenstadt über die Jahre stetig gestiegen war, entschied man sich ab 2002 dafür, sich bei dem Kassenbericht durch ein Steuerberatungsbüro beraten zu lassen. Um die Einsatzkräfte bei Einsätzen im Straßenverkehr und vor allem auch auf der Autobahn besser abzusichern wurde 2003 ein gebrauchter Verkehrssicherungsanhänger erworben und überholt. Die Überholung wurde wieder einmal selbst durchgeführt. Nach Beendigung ergab ein Gutachten einen Wert von 9.800,- €. Bei einer Investition von 6.400,- € in Anhänger und Material war dies eine beachtliche Wertsteigerung. Der Anhängerfuhrpark wurde 2004 durch einen Anhänger mit Pulverlöschmittel und 2005 durch einen Anhänger, auf dem Material für Jugendfeuerwehrübungen verladen ist, erweitert.
Der 1991 bei der Firma Gering in Altenstadt gekaufte VW-Bus, der als Einsatzleitwagen Verwendung fand, wurde 2005 durch einen neuen Einsatzleitwagen ersetzt. Mit diesem können auch größere Einsatzgeschehen wie zum Beispiel der Hochwassereinsatz im Mai 2008 optimal abgearbeitet werden. Diese Art Einsätze traten im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends immer öfter auf. Ob sie auf den Klimawandel zurückgeführt werden können, werden möglicherweise die nächsten Jahre zeigen.
Ab dem Jahr 2003 wurden zusammen mit dem Malteser Hilfsdienst Ausbildungsveranstaltungen mit dem Thema „Traumamanagement“ durchgeführt. Durch diese Seminare wurde die Zusammenarbeit zwischen den beiden Hilfsdiensten bei Verkehrsunfällen mit einer oder mehreren stark verletzten Personen optimiert und verbessert. Die Qualität dieses Konzeptes lässt sich unter anderem daran festmachen, dass verschiedene Feuerwehren im Kreisgebiet dem Beispiel folgend auch ähnliche Veranstaltungen in ihren Dienstplan aufnahmen. Der Themenkomplex „Verkehrsunfälle“, auf den in diesen Ausführungen schon öfter eingegangenen worden ist, hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Erkennen kann man dies an dem Sachverhalt, dass mittlerweile nationale und internationale Wettkämpfe mit unterschiedlichen Disziplinen aus dem Gebiet der Unfallrettung durchgeführt werden. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausend steht die Freiwillige Feuerwehr Altenstadt, wie fast alle Feuerwehren, sowohl in der Gemeinde, als auch im Kreis, in Hessen und im ganzen Land vor der Situation, dass die Anzahl der aktiven Feuerwehrleute sinkt. Im Wehrführerausschuss unter Ortsbrandmeister Jäger wird die Zusammenarbeit der Ortsteile stark erweitert und optimiert. Die Feuerwehren wachsen zusammen und gehen gemeinsam neue Wege, dies wird zum Beispiel an gemeinsamen Ausflügen und Festen der Feuerwehren der Gemeinde deutlich. Auch in dem neuen Medium Internet ist die Freiwillige Feuerwehr Altenstadt seit 2004 mit Informationen zu Aktivitäten und Einsätzen auf der Seite www.ff-altenstadt.de zu finden.
Mit einigen allgemeinen Feststellungen über die Entwicklung der Feuerwehr in der Vergangenheit soll die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Altenstadt abgeschlossen werden:
1. Der Bereich, in dem die Feuerwehr bis zum heutigen Tag zum Einsatz kommt, ist in großem Umfang erweitert worden, was zu einem starken Ansteigen der Einsätze führt. Beweis dafür:
1965: 4 Einsätze
1975: 9 Einsätze
1980: 44 Einsätze
1982: 57 Einsätze
1985: 60 Einsätze
1990: 94 Einsätze
1993: 92 Einsätze
1998: 108 Einsätze
2000: 90 Einsätze
2004: 74 Einsätze
2. Feststellung: Auch bei der Feuerwehr nimmt die Bürokratie in großem Maße zu. Beweise dafür:
1951: 4 Seiten Protokoll
1961: 5 Seiten Protokoll
1971: 6 Seiten Protokoll
1981: 24 Seiten Protokoll
1991: 41 Seiten Protokoll
2001: 44 Seiten Protokoll
In diesem Zusammenhang soll auch Erwähnung finden, dass von 1908 bis 1989 etwa 200 Seiten Protokoll entstanden sind. Die Protokolle ab 1990 füllen dahingegen schon zwei Aktenordner, es sind schätzungsweise 1000 Seiten.
3. Neben der Bürokratie nimmt auch der Umfang der Stunden, die von den Feuerwehrleuten für die verschiedenen erforderlichen Tätigkeiten, die auf Grund des erweiterten Aufgabenbereiches und der Spezialisierung erbracht werden müssen, stark zu. Beispiel dafür:
1976: 8 Vorstandssitzungen
9 Einsätze
6 Übungen (3 x Theorie, 3 x Praxis)
2004: 600 h Einsatzdienste
600 h Ausbildung
2000 h Wartung und Instandhaltung
160 h Brandsicherheitsdienste bei unterschiedlichsten Veranstaltungen
650 h Vorstandsarbeit und Organisation
800 h Jugendarbeit
In Summe ergibt dies etwa 4810 Stunden, die von den Einsatzkräften erbracht worden sind. Bei einem Arbeitstag mit 8 Stunden ergibt dies ca. 600 Arbeitstage gemeinnützige Arbeit.
Die Chronik zum 75-jährigen Bestehen 1983 wird nach der zweiten Feststellung mit den folgenden Worten beendet:
Da kann man nur einen Wunsch haben, und mit diesem Wunsche schließe ich:
St. Florian beschütze die Feuerwehr vor St. Bürokratius, damit sie Ihre Aufgaben im mitmenschlichen Bereich erfüllen kann.
Auf Grund der derzeitigen Situation - sinkender Zahlen von aktiven Einsatzkräften - der Freiwilligen Feuerwehren in ganz Deutschland soll im Gegensatz dazu die Chronik zu 100-jährigen Bestehen mit der Hoffnung auf eine Zukunft, in der sich genug idealistische Menschen bereit erklären in den Freiwilligen Feuerwehren Dienst am Nächsten zu tun, beendet werden.
Die Bezeichnung der Männer, welche die Geschicke der Feuerwehr führten hatten über die Jahre unterschiedliche Bezeichnungen: Kommandant, Ortsbrandmeister, Wehrführer und Vorsitzender. Nachfolgend sind diese „ersten“ Männer der Freiwilligen Feuerwehr in Altenstadt seit der Gründung 1908 aufgeführt.
1908 – 1911 Friedrich Kraus
1912 – 1921 Heinrich Brack
1922 – 1925 Heinrich Karl Lips
1926 – 1938 Wilhelm Heutzenröder
1938 – 1945 Heinrich Schmidt
1948 – 1954 August Steuernagel
1954 – 1962 Heinrich Harter
1963 – 1980 Erwin Dächer
1981 – 1990 Norbert Müller
1991 – 1993 Andreas Schleicher
1994 – 1997 Manfred Kottusch
1997 – 2000 Stephan Jäger
2001 – 2007 Markus Pfeiffer
seit 2007 Stephan Mertens